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Verständlich erklärt

Digitalen Nachlass regeln — und warum das etwas anderes ist als ein Testament

Ein Testament klärt, wem etwas gehört. Der digitale Nachlass klärt, wie jemand überhaupt drankommt. Beides ist nötig, und nur eines davon reicht nicht.

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2026

Was ist der digitale Nachlass?

Zum digitalen Nachlass gehört alles, was von einem Menschen in digitaler Form übrig bleibt: E-Mail-Postfächer, Konten bei Banken und Bezahldiensten, Profile in sozialen Netzwerken, Cloud-Speicher, laufende Abonnements, Fotos, Nachrichten — und die Geräte, auf denen das alles liegt.

Der Begriff klingt technisch, das Problem ist es nicht. Es geht um eine sehr praktische Frage: Findet jemand das alles wieder, wenn du es nicht mehr erklären kannst?

Rechtlich geerbt — praktisch verschlossen

Der wichtigste Punkt zuerst

Digitale Konten sind vererblich. Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden, dass der Vertrag über ein Nutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf die Erben übergeht — mit einem Anspruch auf Zugang, einschließlich der dort gespeicherten Inhalte. Digitales wird also nicht anders behandelt als ein Tagebuch oder Briefe im Schreibtisch.

Das Recht zu haben und praktisch heranzukommen sind aber zwei verschiedene Dinge. Wer nicht weiß, dass ein Konto existiert, wird es nicht einfordern. Wer keinen Zugang zum E-Mail-Postfach hat, kann fast nichts zurücksetzen. Und wer monatelang mit Anbietern korrespondieren muss, tut das in einer Zeit, in der er ganz andere Sorgen hat.

Quelle: BGH, Urteil vom 12.07.2018, Az. III ZR 183/17.

Was passiert, wenn nichts vorbereitet ist

Keine Panikmache, sondern das, was Hinterbliebene tatsächlich berichten:

Für die Angehörigen

  • Sie wissen nicht, welche Konten es überhaupt gibt
  • Sie kommen nicht ins E-Mail-Postfach — und damit an fast nichts heran
  • Sie brauchen Wochen für Anfragen bei Anbietern
  • Fotos und Nachrichten bleiben in Konten liegen, die niemand öffnet
  • Sie müssen Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, was gewollt war

Für den Nachlass selbst

  • Abos und Verträge laufen weiter und buchen ab
  • Guthaben bei Bezahldiensten bleibt unbemerkt
  • Domains und Webseiten verfallen
  • Gesperrte Geräte lassen sich oft nicht mehr öffnen
  • Digitale Erinnerungen gehen still verloren

In vier Schritten anfangen

Du musst das nicht an einem Abend erledigen. Die Reihenfolge ist wichtiger als die Vollständigkeit.

1

Bestandsaufnahme

Schreib auf, was es gibt — Konten, Verträge, Geräte, Erinnerungen. Noch keine Passwörter, nur die Übersicht. Dafür gibt es unsere Checkliste digitaler Nachlass.

2

Vertrauensperson wählen

Wer soll im Ernstfall handeln? Diese Person muss davon wissen. Eine Vorsorge, von der niemand weiß, ist keine Vorsorge.

3

Sicher hinterlegen

Zugangsdaten gehören verschlüsselt aufbewahrt, nicht auf einen Zettel und nicht in eine Notiz-App. Getrennt von der Übersicht, und erreichbar erst im Ernstfall.

4

Wünsche festhalten

Was soll gelöscht werden, was bleiben? Wer soll benachrichtigt werden? Das kann niemand außer dir beantworten — und genau danach suchen Angehörige am häufigsten.

Wo Notar und Rechtsanwalt hingehören

Diese Trennung ist wichtig, und sie wird oft vermischt:

Rechtlich — dafür gibt es Fachleute

  • Testament und Erbvertrag
  • Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung
  • Formvorschriften und Wirksamkeit
  • Eintrag in die zentralen Register
  • Streitfälle unter Erben

Praktisch — das bleibt trotzdem offen

  • Welche Konten existieren überhaupt?
  • Wie kommt man ins E-Mail-Postfach?
  • Wo liegen die Fotos?
  • Welche Verträge laufen weiter?
  • Was hast du dir gewünscht?

Ein Notar regelt die erste Spalte. Die zweite steht in keinem Testament — und wird meistens erst dann vermisst, wenn niemand mehr fragen kann. Beides gehört zusammen.

Was Semperia dabei tut

Semperia ist ein verschlüsselter Tresor für genau die zweite Spalte. Du trägst deine Übersicht und deine Zugänge ein, bestimmst eine Vertrauensperson — und Semperia fragt regelmäßig nach, ob es dir gut geht. Bleibt deine Antwort über lange Zeit aus, bekommt diese Person das, was du ihr hinterlassen hast.

Der Tresor auf deinem Gerät ist kostenlos. Die Inhalte sind verschlüsselt und nur mit deinen sechs Wörtern lesbar.

Was Semperia nicht ist: kein Testament, kein Register, keine Rechtsberatung und kein Ersatz für den Gang zum Notar.

Häufige Fragen

Ersetzt Semperia ein Testament?

Nein. Ein Testament ist ein rechtliches Dokument mit Formvorschriften. Semperia hilft bei der praktischen Organisation — welche Konten es gibt, wie man hineinkommt, was gewünscht ist. Beides ergänzt sich, keines ersetzt das andere.

Gehören Passwörter in ein Testament?

Davon ist abzuraten. Ein Testament wird nach dem Erbfall eröffnet und Beteiligten zugänglich gemacht — und Passwörter ändern sich laufend. Für Zugangsdaten ist ein verschlüsselter, aktualisierbarer Ort der bessere Weg.

Was passiert mit Konten nach dem Tod?

Das hängt vom Anbieter ab. Manche versetzen Profile in einen Gedenkzustand, andere löschen nach Nachweis, wieder andere geben Erben Zugang. Nach der Rechtsprechung des BGH gehen Nutzerverträge grundsätzlich auf die Erben über — praktisch braucht es dafür aber Nachweise und Zeit.

Kann Semperia meine Daten lesen?

Die Inhalte deines Tresors sind mit einem Schlüssel verschlüsselt, der aus deinem Master-Passwort abgeleitet wird und dein Gerät nicht im Klartext verlässt. Ohne deine sechs Wörter sind sie nicht lesbar — auch nicht für uns. Für den Versand der Warnhinweise wird die von dir angegebene Warn-E-Mail-Adresse benötigt und deshalb als Verwaltungsangabe gespeichert; sie ist kein Tresor-Inhalt.

Ist Semperia ein Passwortmanager?

Nein. Ein Passwortmanager ist für den täglichen Gebrauch gedacht. Semperia ist für den Fall gebaut, dass du dich nicht mehr meldest — mit Vertrauenspersonen, Fristen und einer geordneten Übergabe.

Was passiert, wenn es Semperia irgendwann nicht mehr gibt?

Dein Tresor liegt verschlüsselt auf deinem Gerät und funktioniert dort auch ohne unseren Dienst. Semperia erzeugt zusätzlich eine ausdruckbare Notfall-Akte, die unabhängig von der App bleibt. Was einen Server braucht, ist der Lebenszeichen-Dienst — nicht der Zugang zu deinen eigenen Daten.

Regle heute, was morgen ankommen soll.

Fang mit der Übersicht an — die Checkliste führt dich durch die sieben Bereiche, die Angehörige zuerst brauchen.

Zur Checkliste Semperia im Play Store